Die Bevölkerungsstruktur vollzieht einen grundlegenden Wandel. Ein Viertel aller Lübbeckerinnen und Lübbecker ist heute über 60 Jahre alt, und dieser Anteil wird in den nächsten Jahren weiter anwachsen – auf rund 30 Prozent der Bevölkerung. Dabei wollen immer mehr ältere Menschen so lange wie möglich eigenständig und selbstbestimmt leben und ihre Freizeit aktiv gestalten. Auf die Kommunen kommen dadurch strukturelle und gesellschaftspolitische Herausforderungen zu. Und auch städtebaulich wird sich Lübbecke zukünftig verstärkt den Veränderungen stellen müssen.
Im Anschluss an die jüngste Sitzung des Seniorenbeirats hatten sich Albers, Telgheder und Knappmeyer zusammengesetzt, um Anregungen auszutauschen und zu vertiefen. Konkret ging es um Begegnungsnachmittage und Ausflüge, medizinische Versorgung, auf Seniorinnen und Senioren zugeschnittene Kursangebote, etwa zu Medien und Digitaler Bildung, Umgang mit Smartphones, präventive Angebote zum Thema Pflege sowie die Gestaltung eines Handwerkermarktes auf dem Marktplatz.
Ein zentrales Anliegen des Seniorenbeirats sei die Schaffung eines „Seniorenbüros“, in dem ältere Menschen Ansprechpartner für ihre Belange finden und einen Überblick vermitteln könnten, so Beate Albers: „Es gibt schon zahlreiche Angebote, aber nicht alle sind so gut sichtbar, dass jeder sie kennt.“
Mit der Idee habe der Seniorenbeirat bei ihm „offene Türen eingerannt“, bekennt der SPD-Bürgermeisterkandidat. Ihm schwebe die Einrichtung einer Netzwerker- und Bündelungsrolle vor. Ein solches „Seniorenbüro“ müsse nicht unbedingt die Stadt selbst betreiben. Vielmehr könne auch ein Freier Träger diese Rolle übernehmen. Wichtig sei ihm, dass auch alle Ortsteile gut versorgt würden, so Knappmeyer. Ältere Menschen gebe es schließlich nicht nur in der Kernstadt, sondern auch auf den Dörfern. Und nicht alle seien eigenständig mobil.
Vor diesem Hintergrund will Knappmeyer insbesondere auch das Thema ärztliche Versorgung in den Blick nehmen. Der Einfluss einer Kommune auf diesem Gebiet sei zwar begrenzt, aber anders als bei der Klinikentwicklung habe man durchaus Spielräume, wie etwa das Beispiel der Gemeinde Stemwede zeige. Knappmeyer: „Je älter die Menschen, desto wichtiger werden kurze Wege zum Arzt. Ich will alle Anstrengungen unternehmen, hier eine gute Versorgung zu sichern.“
Entscheidend für das soziale Gelingen einer älter werdenden Gesellschaft sei das Vorhandensein sogenannter „Dritter Orte“, die zum konsumfreien Aufenthalt und zwischenmenschlichen Begegnungen einladen, so Philipp Knappmeyer. In Gesprächen mit älteren Menschen höre er nicht selten als ersten Satz: „Ich habe heute noch kein Wort gesprochen.“ Knappmeyer: „Das berührt mich, weil daraus oft echte Einsamkeit spricht.“
Abhilfe könnten etwa regelmäßige Treffen und gemeinsame Unternehmungen schaffen. Eine andere Idee, die sich andernorts schon vielfach bewährt habe, seien „Klön-Tische“ zum Beispiel in Bäckereien und Cafés, an denen Seniorinnen und Senioren schnell und unkompliziert Gleichgesinnte finden.